Ich bin Kunst!

posted by Bleu Broode on 2009.10.11, under Ich bin Kunst
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Christo sagt:

„Vergänglichkeit ist ein großer Teil meiner Vorstellung von Kunst. Denn die Zerstörung ist eingeplant.“

Ich sage:

Ich bin Kunst!

Ich begehe meinen Lebenslauf nicht auf ausgetretenem Pfade. Neue Wege braucht das Land! Neben der Spur ist mit einem Bein schon halb im Grabe, doch

Ich bin Kunst!

Und meine Küche ist ein Stillleben! Teller stapeln sich bis zur Decke, Kochtöpfe stehen, kleben neben- und ineinander, eine Leberwurst liegt beleidigt in einer Ecke und entwickelt langsam und still Leben. Expressionismus am Küchentisch! Ich esse einen Topf Tomaten, trinke ein Glas Essig, kotz es gegen die Tapete, streu Zucker drauf und nenne das ganze „Ketchup auf Leinwand“.

Ich bin Kunst!

Ich erfinde völlig eigene Wortkreationen wie: „Das ist ja total torpedostyle, Digger!“

Ich setze Kunstpausen da, wo sie niemand… erwartet.

Mein Finger liegt im Auge des Betrachters. Ich trage Brillen aus Fensterglas, Fenster aus Brillenglas, Gläser aus Bechern, Bächer aus Flüssen, Flüsse aus Seen und apropos Aussehen:

Die Haut wie gemalt, jeder Pickel ein Schönheitsfleck! Verbindet man die Leberflecken auf meinem Rücken nach dem Prinzip von Malen nach Zahlen, ergibt sich ein Bild meiner Mutter. Das nenne ich ein Muttermal, das sich sehen lassen kann!

Ich bin Kunst!

Ich trage keine Designerklamotten. Ich trage das Adamskostüm, nur mit einem Buchsbaumblattvor der Scham bekleidet.

Ich schwimme gegen den Strom, ein ausgetrocknetes Flussbett hinauf, bis ich ganz oben auf dem Olymp angekommen bin. Mir wird arschkalt, weil so ein Buchsbaumblatt echt nicht viel hergibt, aber das ist egal, denn ganz oben stelle ich mich auf das Gipfelkreuz, pisse gegen den Wind auf einen Elektrozaun und schreie:

Ich bin Kunst!

Und ich nehme auch die Drogen, die ein Künstler nehmen muss:

Crack, LSD, Kokain, Heroin, Eigenurin, Gras, Brom, Lachgas, Cristal, Uhu-Stick, Nagellackentferner, Poppers, Bier, Wein, Kaffee, Cola, Milch, Morphium, Speed, Pilze, Frösche lecken, Stechapfel, Mohnkuchen, Cookies, Ether, Spice, Corega-Tabs – mit zwei Phasen – , Penizilin, Benizidrin, Ephidrin, Nikotin, Gagain, Dadain, Koffein, Teein, ihn, ihn, ihn und ihn und euch alle… ihr seid meine Droge

Ich bin Kunst

Und zwar Moderne!

Noch eine Glatze, doch bald eine Mähne! Haare vom Arsch auf den Kopf transplantiert, da extendiert, coloriert, manipuliert, gegelt, gestylt, frisiert… und schon seh ich aus wie ein Arsch mit Ohren. Und dann wird nicht mehr geschminkt, dann wird gebodypainted! Artificial Arts! Selbst mein Lächeln ist künstlich. Leute lassen sich mein Gesicht auf den Hintern tätowieren und dann scheint ihnen die Sonne aus dem Arsch!

Ich bin Kunst!

Da kann man sich nen Ohr von abschneiden.

Ich stelle mich vor das Bild eines aufstrebenden Jungkünstlers und sage zu ihm: „Katze… Feuer… Probier es mal damit.

Ich werfe Steine im Glashaus, Scheine im Freudenhaus, Kohlendioxid im Treibhaus, Schuhe im weißen Haus, n Arsch voll Probleme? Ich scheiß drauf! Ich nehm reiß aus! Schmeiße Schnitzel vom Grill und lege Mais auf! Mach dir da mal nen Reim drauf! … Torpedostyle.

Ich… sprenge den Reichstag. Das hat nichts mit Kunst zu tun. Es wäre einfach an der Zeit. Aber die Kritiker werden sich den Kopf zerbrechen: Broode sprengt den Reichstag. Was will er uns damit sagen? Ein Aufschrei gegen die Menschheit? Ein anprangern der vorherrschenden gesellschaftlichen Strukturen? Katze? Feuer?

Und dann, wenn ich alles erreicht habe, wenn es in den Trümmern um mich herum vor Ehrfurcht buchsbäumchenstill wird, dann mache ich Kunst vergänglich, nehme ein Seil und…