Ein Aufruf an 3 verloren gegangene Freunde

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Du, du trägst einen schwarzen Anzug. Mit einer rot benadelstreiften Krawatte. Du trägst schwarze Haare, mit lila Strähnchen drin, damit die Welt mal ein bisschen bunter ist. Und wenn du nicht mehr lachen kannst, dann setzt du dir so Glitzersternchen in die Zähne. Die Strahlen imer!

Du isst gerne Fleisch, aber ansonsten versuchst du, vegetarisch zu leben. Deshalb sagst du auch „Quotationsmarks“ und nicht „Gänsefüßchen“. Dein Obst kommt von freilaufenden Bäumen. Deine Krawatten sind von glücklichen Seidenraupen. Du achtest darauf, dass deine Sneekers nur von Kindern aus Bodenhaltung gemacht werden.

Du bist cool. Du liegst im Trend. Perfekt gestylt von hier bis zu deinem letzten Hemd.

Du, du schreibst kein Tagebuch, du schreibst dein Leben Protokoll.

Morgens auf stehen, abends schlafen gehen und du fragst dich, was das soll-

Du warst immer so geht so, so Mittelmum.

Du bist normal. Du bist so normal, du wärst ein guter Selbstmordattentäter. Von dem dann die Nachbarn und Familienangehörigen später sagen: „Was? Unser Timo. Ojemine! Das hätten wir nun wirklich nicht erwartet. Der war doch immer so normal.“

Du bist normal, so normal. Anders willst du gar nicht sein.

Auch wenn es nicht die Wahrheit ist, so wahrst du doch den Schein

Wenn du johlst, dann johlst du laut und schreist: „Heeeey! Geht so!“

Und du: Liebe ist für dich zu Emo und Sex hast du nur für das Rauchen hinterher.

Erzähl ich dir von meinen Problemen, sind es bei dir immer mehr.

Du nimmst die Pille danach, denn du würdest dich gern selbst abtreiben.

Du hörst das Leid nicht gern von andern, du möchtest lieber selber leiden.

Und die Sonne geht auf und die Sonne geht unter und strebt nach dam Ort, wo sie auf geht. Und du stehst auf, aber wirst nimmer munter und du strebst nach dem Tag, da du draufgehst.

Wenn man dich fragt, wies dir geht, dann sagst du meist: „Ach frag man lieber nich.“

Wenn man dir sagt, dass man dich liebt, dann fragst du, sorgst du dich denn auch um mich?

Du kommst vom Regen in die Traufe und von der Traufe in den Schnee

In dir lodern schon lange keine Flammen mehr,

es läuft ne Kaminfeuer-DVD.

Krieg den Arsch hoch

Zieh den Stock raus

Bau dir nen Zepter

Oder nen Pflock draus

Du hast n Arsch voll Probleme, dann scheiß doch die Wand an.

Tapeten kann man neu beziehen, du musst bloß mal anfangen.

– und dann musst du vielleicht mal knietief in der Scheiße stehen, aber so wie es jetzt ist, so kanns nicht weitergehen.

Krieg den Arsch hoch!

Zieh den Rock aus!

Leg die Eier auf den Tisch!

Änder mal die Sicht

Duuuu kennst das ja:

Die ersten werden die letzten sein,

die derbsten werden die whacksten sein,

die Verse werden die Sätze sein

Wenn du beim Sport immer als letztes gewählt wurdest, dann werd halt Tennislehrer. Dann bist du der Typ, mit dem die Frauen die Typen hintergehen, die dich früher immer ausgelacht haben!

Wenn dein Chef dir wieder mal sagt, dass du dieses falsch, jenes schlecht und überjenes aber mal wieder sowas von verbockt hast, dann schlag ihm ins Gesicht. Verbal und freundlich natürlich, aber bestimmt. Schlag es durch die Blume.

Und wenn du beim Theaterspielen wieder mal der Baum sein musst, dann wirst du der verdammt nochmal beste Baum dieses Universums sein. Sei der Waldschrat. In deinen Blättern wird man den Wind rascheln hören,  Uhus werden zwischen deine Ästen hausen und Horden von Eichhörnchen werden aus allen Ecken und Winkeln gerannt, durch Fenster und Türen gekrochen und über höchste Hindernisse gesprungen kommen, nur um eine paar Nüsse in dir zu verstecken. Kritiker werden schreiben: Baum: Ekstatisch! Der Baum stellte alle in den Schatten. Mitloff beherrschte den Romeo, Svalettka überzeugte als Julia, aber Günzelsen als Baum überragte sie alle. Jung, dynamisch, vital. Du bist der Baum, Mann!

Sei kein Frosch! Sei eine Kröte! Eine grüngelb gestreifte Sumpfrohrkröte, mit dem giftigsten Schleim und der längsten Zunge überhaupt! Flieg wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene!

Du hast nur eine Hand voll Leben, also nimm es in die Hand

Und erst wenn du mal den Teufel triffst, dann mal ihn an die Wand