Ein weiteres Gespräch mit Jesus über Fußball

posted by Bleu Broode on 2012.10.19, under Neuigkeiten
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Ich habe mal wieder mit Jesus gesprochen. In letzter Zeit entwickelt er ein erstaunliches Interesse an Fußball. Mal wieder ist er nicht einverstanden mit der medialen Berichterstattung über die deutsche Nationalmannschaft. Nicht, dass er sie nicht lieben würde, aber naja…

Natürlich, sagt er, war es ein rabenschwarzer Tag für Manuel Neuer – und auch Holger Badstuber sollte sich in der nächsten Zeit nicht mehr so viele Patzer erlauben. Wie dann aber aus zwei Einzelfehlern ein erdrutschartiger Kollektivausfall werden konnte, war zwar sicherlich sehr schlimm – jedoch nicht minder berechenbar.

6:1 gegen Irland, sagt Jesus, Gruppenführung ohne Punktverlust, sagt Jesus, dann 4:0 Führung gegen Schweden, Traumtore, gefühlt bester Fußball seit Nowotny und Ramelow; und dann passiert etwas Seltsames: Man fängt ein Gegentor. Ok, sagt Jesus, Flanke aus dem Halbfeld, sagt Jesus, kann passieren, Stellungsfehler, Ibrahimowic netzt, der darf das, 4:1, kein Beinbruch.

Aber dann passiert noch etwas Seltsames: Manuel Neuer greift daneben. Dieser deutsche Markentorwart, dieser Oliver Kahn mit Kindchenschema greift daneben. 4:2. Und zwei der wichtigsten Rückhalte haben gepatzt. Die einen denken noch, ach, 4:2, bidde, die anderen, Neuers, Badstubers, werden nervös. Das Vertrauen, und diese Mannschaft lebt wie keine Zweite vom Vertrauen in ihre Fähigkeiten, sinkt.

Für ihn, sagt Jesus, war die Sache damit klar. Fünf Minuten länger und die Partie wäre verloren gegangen. Das ist kein Fußball-Dilletantismus, das ist keine Arroganz, niemand muss da nach Löw oder Teamgeist fragen, das ist Psychologie. Es zeigt, dass die Dudes auf dem Platz Menschen waren. Darauf steht Jesus.

Mögen all die Sportjournalisten, all die Feierabend- und Kneipenspezialisten nach Heroen streben, nach Übermenschen, die ihr Geld wert sind, fünf Millionen Euro im Jahr, da darf man doch keinen Fehlpass mehr spielen. Gib mir zwanzig Millionen Mark, sagt Jesus, und der Ball wird mir immer noch bei der Ballannahme vom Fuß springen, als wäre es ein Torschuss. Wer das nicht versteht, ist doof. Den liebt Jesus, aber der ist doof.

Und nun mag man in solchen Phasen einen Michael Ballack herbeiwünschen (mach jetzt aber Werbung für Billigflieger), oder einen Thorsten Frings (ist immer noch ziemlich cool), vielleicht sogar Effenberg oder Basler (Bluthochdruck und Lungenkrebs), jemanden, der auf den Tisch haut – aber ich für meinen Teil bin froh über dieses Spiel. Es zeigt, dass dieses Team nicht nur grandiosen Fußball spielen kann, sondern auch nervös und emotional ist, menschlich und irgendwie putzig. Und das, sagt Jesus, sage ich als Jesus.